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François Morellet
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Jazz line, Neons, Strip-teasing und weitere Findungen des Künstlers zwischen 2006 und 2008
21. November 2008 - 7. Februar 2009



 












Die Galerie m begleitet den französischen, weltweit renommierten Künstler François Morellet seit ihren Anfängen vor 40 Jahren. Morellet bezieht seine Formensprache aus Konkreter Kunst, sieht sich zu Minimal Art und Konzeptkunst gehörig und wird im Kontext von Op Art zitiert. Sein Oeuvre reicht vom Tafelbild über graphische Werke und Kunst am Bau bis zu Lichtinstallation und widersetzt sich eindeutig kategorialer Zuordnung.

Bereits in den 60er Jahren nutzt Morellet den industriellen Charakter von Neonlicht, um die subjektiv gestische Handschrift zu reduzieren und eine nüchterne und rational einsichtige Perspektive zu entwickeln. „Denn Neonlicht ist hart, rein, ohne Schatten oder Spiegelung“ (François Morellet). An die Stelle der Lichtreflexion tritt die Lichtquelle selbst. Kunstobjekte zeigen einzig das, was sie sind. Die Art und Weise, wie Leuchtstoffröhren zu klaren Formen, wilden Rhythmen oder fließenden Lineaturen arrangiert werden, ist anmutig, verblüffend und unaufgeregt.

In der Malerei konzentriert Morellet sein Vokabular auf geometrische Grundformen. Diese bricht und lockert er mit spielerischer Leichtigkeit nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten auf. Quadrat und Kreis sind die Leitmotive der Ausstellung; sie tauchen immer wieder anders auf. Das irritiert Sehgewohnheiten und beschert Überraschungseffekte. Zum Beispiel zerlegt der Künstler einen großen Kreis in zahlreiche Segmente, scheinbar zufällig und absurd aneinandergereiht. Der Kreis wird verfremdet. Oder Quadrate stehen so zu sagen auf dem Kopf. Hat man einmal erkannt, dass jeder noch so spontan wirkenden Komposition ein ausgeklügeltes System zugrunde liegt, sieht man sich aufgefordert, die Werke danach abzusuchen. Dabei folgen die Augen stets künstlerischen Spielregeln zwischen Zufall und Ordnung.

Trotz rationaler Präzision triumphieren Morellets Werke neben poetischer Ästhetik mit scharfsinnigem Humor; Ordnungs- oder Zufallssysteme existieren niemals zum Selbstzweck. Ironisch unterwandert der Künstler die eigene Systematik - etwa in Titeln. Eine Neonarbeit heißt Lunatic Weeping and Neonly; die (frei übersetzte) Vorstellung eines weinend launischen Mondes kontrastiert die geometrisch minimalistische Ausstrahlung. Die Werkgruppe zu Linie und Band ist als Strip-Teasing bezeichnet. Hier öffnet der Sprachwitz einen spannungsvollen Assoziationsraum zwischen Hänselei und Entkleidung von Linien und Bändern. Vernunft und Ironie liegen bei Morellet nah beieinander.