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Carla Guagliardi
Um mar e dois desertos / Ein Meer, zwei Wüsten
24. Januar -17. April 2004


 


O Lugar do Ar (Der Ort der Luft), 2000/2004




Às Parcas e ao Edi (For the Parcae and for Edi), 1995

„Wo ist die Zeit, die ich in diesem Raum gelassen habe?“

Mit dieser Frage überschreibt Carla Guagliardi eine kurze Erläuterung ihrer Arbeiten und nennt darin zwei entscheidende Faktoren ihres Schaffens: Zeit und Raum. Sie sind nicht nur in ihrer physikalisch gegebenen Größe ein immanenter Bestandteile ihrer Werke, sondern finden Ihre Bedeutung auf verschiedenen Ebenen.

Wie für den Maler Pinsel und Farbe, sind für Guagliardi verschiedene Materialien wie Wasser, Eisen, Glas, Kupfer, Stahl, Gummibänder oder Baumwolle entscheidende Mittel bei der Gestaltung der Werke selbst. In unterschiedlichster Form verbindet Carla Guagliardi die o.g. Materialien, so dass sie in ihrer Verbindung sowohl miteinander als auch in Raum und Zeit vielfältig reagieren. In der Installation „O Lugar do Ar (Der Ort der Luft)“ entsteht zum Beispiel ein Labyrinth aus bis zu 220 cm langen Eisenstangen, die, von Latexbändern unterschiedlicher Größe gehalten, von der Decke hinunter hängen. Während die horizontal ausgerichteten Eisenstangen den Raum definieren, machen die sich im Laufe der Zeit durch das Gewicht der Eisenstangen ausdehnenden Latexbänder die zeitliche Dimension sichtbar. Wie alle Arbeiten von Carla Guagliardi geht auch diese Installation über ihre bloße physikalische und materielle Beschaffenheit hinaus.

In ausgesprochen poetische Raum-Bilder überträgt die Künstlerin ihre Wahrnehmung von menschlichen Befindlichkeiten wie Ungewissheit, Unstabilität und Ungleichgewicht. Von Momenten der Verletzlichkeit, Veränderung und Konfrontation, ebenso wie von einer sozialen Struktur, in der ein Gleichgewicht allein durch eine äußerst feine Ausbalancierung erreicht werden kann, um hier nur einige Schlagworte zu nennen. In ihrer außergewöhnlichen Sensibilität für unterschiedlichste Materialien und deren Verbindungen findet Carla Guagliardi ganz eigene und höchst spannende Metaphern für menschliche Befindlichkeiten. In ihre Installationen und Assemblagen übertragen, werden sie sowohl in der physischen als auch psychischen Wahrnehmung erfahrbar.