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Aino Kannisto












Vom 4. Dezember 2015 bis zum 20. Februar 2016 ist bereits zum dritten Mal die finnische Fotografin Aino Kannisto mit einer Einzelausstellung in der Galerie m Bochum zu sehen. In ihren neuesten Bildern, die größtenteils in ihrer Heimat entstanden sind, entwickelt Kannisto neue Figuren. Sie setzt hier die subtile Melancholie, die sich an vielen Stellen ihres Werkes zeigt, auf eigentümliche Weise fort und stellt den Betrachter vor neue Rätsel.

Teilt man Roland Barthes Ansicht über das Wesen der Fotografie, geht man davon aus, dass ein Lichtbild ein vergangenes Geschehen zeigt, oder, um es mit den Worten des französischen Philosophen in Die helle Kammer zu sagen: „Es-ist-so-gewesen.“ Doch ist das, was wir in Aino Kannistos Fotografien sehen, so gewesen? Lässt sich überhaupt sagen, was gewesen ist, als das Foto aufgenommen wurde? Bestimmt lag im Bild Untitled (Green Soap Bar) ein grünes Stück Seife in der Dusche, in der eine Frau mit langem braunen Haar mit dem Rücken zur Kamera stand. Sicher hielt sich die Frau in Untitled (Rushes) länger in dem Weiher auf, in dessen mittlerweile reglosen, tiefblauen Wasser sie zwischen dem Schilfs hockend in goldenem Abendlicht zu sehen ist.

All diese Realitätsbezüge bei der Aufnahme der Fotos sind gerechtfertigt, schließlich vermittelt das fotografische Medium auch heute noch ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit. Dennoch zeigen Aino Kannistos Bilder nicht die Wahrheit und keine Unberechenbarkeit des Zufalls, die Roland Barthes der Fotografie zuschreibt: Denn nichts kommt bei Kannisto zufällig ins Bild. Kein Lichtstrahl ist ungewollt, kein Blickwinkel willkürlich, keine noch so feine Geste ungeplant.

Kannistos Fotografien sind arrangiert wie die Bühne eines Theaterstücks und die Fotografin selbst ist dabei stets die Protagonistin einer Szene, die dem Betrachter zahlreiche Interpretationsräume eröffnet und deren Werdegang und Verlauf gänzlich uneindeutig bleiben. Es ist fast unmöglich, dem Drang zu widerstehen, die vorhandenen Leerstellen zu füllen und ein Davor und Danach zu konstruieren. Dabei sind die Situationen, die Kannisto kreiert, derart vage, dass es nicht einmal sicher ist, ob die Frau in der Badewanne gerade ab- oder auftaucht. Diese Gratwanderung zwischen Fiktion und Realität, Erzählung und Suggestion, Vertrautheit und Befremdlichkeit, vollzieht die Künstlerin in stets präzise angelegten Bildkompositionen, die stellenweise ins Abstrakte übergehen und die eindringliche Atmosphäre ihrer Bilder zusammenhalten.