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Dirk Reinartz
Deutschland durch die Bank




Die Bank an sich gibt es nicht. Es kommt darauf an, wer auf ihr sitzt. Und warum. Theoretisch gibt es so viele Bänke wie Menschen. Und theoretisch gäbe es dann eine Gesellschaft, in der jeder seinen Platz hätte. Utopisch. Praktisch hätte man eher zu befürchten, dass das ganze Volk sitzen bleibt. Man sieht sich gezwungen, zwischen Sitzbank und Arbeitsbank zu unterscheiden, vor allem auf der Bank, wo Geld arbeitet.

Nirgendwo sind Glück und Unglück so nah beieinander wie auf der Bank. Aber auch Glück ist historischer Natur. Und die Sitzkultur hat auch im Sitzen eine bewegte Geschichte. Kinder der Revolution sprechen vom Sit-in, Väter der Stabilität sprechen vom Aussitzen, Adorno hätte zugestimmt: die Dialektik der Bank. Genauer: des Gesäßes. – Gut, dass nicht jede Pointe sitzt.
Pressetext des Steidl Verlag, Göttingen